_17_bis_19_TIFNIT
Wir besuchen Tifnit, ein kleines Fischerdorf im Nationalpark Souss Massa, oder besser gesagt SUCHEN wir Tifnit, denn das Dorf ist nicht mehr da. Auf Google Maps findet man noch die Bilder von einem Ort, der am 26.12.2023 niedergewalzt wurde. Geblieben sind nur die blauen Fischerboote neben der Fischerei-Cooperative. Dort kann man noch einkehren und einen gegrillten Fisch bestellen. Der Wirt erzählt uns, dass 600 Einheimische und einige internationale Leute, die sich hier angesiedelt hatten, einfach vertrieben worden sind - ohne irgendeine Entschädigung. Und nicht nur hier, sondern auch am Strand 20km südlich und einige km weiter nördlich, was uns bei Spaziergängen an unserem letzten Standplatz schon aufgefallen war.
"Warum??", fragen wir betroffen von der Resignation, die dem Mann ins Gesicht geschrieben steht. Wir erfahren, dass ein großer Investor aus Katar hier eine Hotelanlage für die Fußball-WM errichten wird. Wir verstehen in dem Mix aus Englisch, Französisch und Arabisch nicht alles ganz genau, aber Gestik und Mimik kommen von einem, der erlebt hat, nichts wert zu sein und dessen Existenz, er hatte ein Restaurant in Tifnit, dem Erdboden gleichgemacht wurde.
Wir verlassen Tifnit mit vielen offenen Fragen. Bei der Internet-Recherche werden wir nicht so richtig schlau. Einerseits wird von der Befreiung eines illegal besetzten Meeresgebietes gesprochen und von der Schaffung eines neuen, grünen und nachhaltigen Nationalparks, andererseits lesen wir von einem privaten Investor (Katar/Emirate), der für die Umsetzung des Projektes "Umgestaltung des Souss-Massa Nationalparks" gefunden werden musste, von "naturorientieren" Unterkünften in Form von Drei- oder Vier-Sterne-Hotels mit Naturschutzzonen dazwischen. Die Eröffnung des erneuerten Nationalparks ist bis spätestens 2030 geplant, dem Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft, bei der Marokko mit Spanien und Portugal einer der Ausrichter sein wird.
Was aus den Bewohnern von Tifnit und den anderen betroffenen Orten (Sidi Toual, Inchaden, Sidi Bibi, Massa und Sidi Ouassai) wurde, lesen wir nirgends. 😔
Wegen des mitlerweile aufgezogenen Sandsturms fahren wir von der Küste auf den naheliegendsten Campingplatz.